Presseartikel – Luxemburger Wort

Neues Haar, Neuer Mut

Gesundes, fülliges Haar – vor allem für Frauen ist das ein Zeichen von Attraktivität. Umso schlimmer ist es, wenn die Haare aus gesundheitlichen Gründen ausfallen. Dann können Haarexperten mit Perücken helfen. Die Kosten dafür übernimmt zum Teil die Gesundheitskasse.

Eines Morgens ein paar Haarsträhnen in der Dusche oder in der Bürste – kein Problem. Denn im Durchschnitt verliert jeder Mensch 70 bis 100 Haare pro Tag. Ernst wird es dann, wenn täglich mehr als 100 Haare ausfallen. Die Ursachen für krankhaften Haarverlust sind vielfältig: Stress, emotionaler Schock, Nährstoffmangel, Hormonstörungen, Vererbung und Chemotherapie sind einige davon.

 

« Das Haareverlieren ist hauptsächlich für Frauen ein traumatisches Erlebnis »

Patrick Donanzan ist gelernter Friseur und Geschäftsführer der Clinique des Cheveux Centre Baumann in Luxemburg-Hollerich. Seine Arbeit besteht darin, Menschen mit Haarproblemen zu betreuen. Gespräche über Perücken zu führen, gehört daher zu seinem Alltag. „Zu uns kommen Patienten, die verzweifelt nach einer Lösung suchen und alle Hoffnungen in uns setzen. Viele brechen in Tränen aus, da sie mit der bedrückenden Situation nicht klarkommen. Das Haareverlieren ist hauptsächlich für Frauen ein traumatisches Erlebnis, da diese mit einer Glatze nur selten unbemerkt durch die Straßen laufen können, ohne mitleidige Blicke auf sich zu ziehen“, erklärt der 63-Jährige, der bereits seit mehr als 30 Jahren das Centre Baumann leitet. „Zu heißes Föhnen, häufiges Färben und Bleichen sowie Dauerwellen schädigen zwar das Haar, verursachen aber keinen Haarausfall. Andere Faktoren aber schon“, erklärt der Haarexperte.

Unterschiedliche Ursachen

Man unterscheidet zwischen vorübergehendem und irreversiblem Haarschwund. Ersteres ist oftmals eine Folge einer Chemotherapie. Ist diese dann glücklich überstanden, wachsen die Haare in der Regel nach einiger Zeit wieder nach. Bedrückender für Betroffene ist die sogenannte Alopezie, also wenn das ausgefallene Haar nicht mehr nachwächst. Die Ursachen hierfür können hormonell bedingt sein, aber auch unterschiedliche Infektionserkrankungen, Magersucht oder Stress können Auslöser sein. Zudem kann sich der Haarverlust an einzelnen Stellen zeigen – genannt Pelade –, oder über den gesamten Kopf erstrecken und zu einer Glatze führen.

Bei Patrick Donanzan werden sowohl Echthaar- als auch synthetische Perücken angeboten. „Die Qualität ist wichtig, noch wichtiger ist aber, dass das Haarteil richtig sitzt, praktisch ist und den Patienten nicht stört. Deshalb rate ich meistens zur synthetischen Perücke, die im Gegensatz zur Echthaarperücke nach dem Waschen und Föhnen sofort wieder in ihre ursprüngliche Form zurückkehrt“, erklärt der Spezialist.

Auch die Kosten der maßgeschneiderten Haarteile variieren je nach Form und Material. „Die Preise reichen von rund 300 Euro bis in den vierstelligen Bereich. Die Qualität des Haares und das Innere der Perücke, also das Kopfhautnetz, bestimmen den Preis. Der Patient muss sich in erster Linie aber mit dem Teil wohlfühlen“, betont der Friseur.

Donanzan und seine Kollegen raten allen, denen der totale Haarausfall droht, sich vorzeitig an die Experten zu wenden. Denn dann können beim Bestellen der Perücke Haarfarbe und ursprüngliches Volumen des zum Teil noch bestehenden Haares berücksichtigt werden. Zudem wird das neue Haarteil später von einem Friseur an die ehemalige Frisur des Kunden angepasst.

 

« Wir geben unseren Kunden Tipps, um mit der oftmals als bedrückend empfundenen Situation klarzukommen »

 

„Wir sehen uns nicht als reine Perückenverkäufer, sondern als Haarexperten, die Betroffene professionell beraten und psychologisch betreuen. Wir geben unseren Kunden Tipps, um mit der oftmals als bedrückend empfundenen Situation klarzukommen und machen alles, was in unserer Macht steht, damit sie an der Perücke eine ähnliche Freude wie zuvor an ihren eigenen Haaren finden“, schlussfolgert Donanzan.

Hilfe von der Gesundheitskasse

Sind Perücke oder Haarteil medizinisch indiziert, erstattet die Caisse nationale de santé (CNS) bis zu 250 Euro. Zum Vergleich: In Frankreich liegt dieser Zuschuss bei maximalen 125 Euro. Eine nicht allzu teure Perücke in Luxemburg kostet in der Regel aber mehr als das Zweifache. Entscheidend aber ist, dass vor dem Kauf eine ärztliche Verordnung vorliegen muss. Der Patient kann dann eine Kopie an die Gesundheitskasse senden, um einen Kostenübernahmeschein (titre de prise en charge) zu erhalten.

Nachdem die Perücke gekauft ist, kann bei der CNS die Kostenrückerstattung beantragt werden; dazu müssen das Original der ärztlichen Verordnung sowie der Kostenübernahmeschein und die quittierte Rechnung eingesendet werden. Sofern der Betroffene eine Zusatzversicherung hat, kann er eine weitere Rückerstattung beantragen.

Rosa CLEMENTE
Foto: Guy Jallay